Nachdem ich bei der Landschaftsfotografie und dem Stillleben Schwierigkeiten gehabt habe, habe ich mir ein Buch gekauft welches mir die "Kreativgeheimnisse der grossen Fotografen" offenbaren sollte.
Das Buch heisst "Meisterklasse Fotografie" und wurde von Paul Lowe geschrieben. Es kommt als Paperback mit dem schwarz - weiss Bild eines jungen Mannes daher. Das Buch ist quadratisch und hat eine Seitenlänge von etwas mehr als zwanzig Centimeter.
Ich habe mir das Buch online bestellt und es wurde zu beginn der Ferien geliefert. So konnte ich es gemütlich durcharbeiten und war bis am Ende der Ferien durch. Als ich es aufschlug, lief es mir aber kalt den Rücken hinunter. Bereits bei der Einleitung von Lowe waren die ersten Bilder im Querformat abgedruckt. Da sie eine gewisse Grösse hatten, passten sie nicht auf eine Seite und so hatten sie die Mitte des Buches quer durch das Bild. Erst nachdem ich den Rücken des Buches durchgebogen hatte, konnte ich das Bild betrachten. Sollte ich jemals ein Fotobuch produzieren, wird es ein hochformatiges und der Leser muss es drehen um die querformatigen Bilder betrachten zu können. Immerhihn sieht das Buch so nach dem ersten Lesen nicht schon aus wie wenn es gefressen worden wäre.
Auf den nachfolgenden Seiten beschreibt der Autor einhundert Bilder, gibt eine kurze Biografie des jeweiligen Fotografen und einige Tipps wie man ähnliche Bilder machen könnte oder welche Vorlieben dieser Fotograf hat. Abgesehen von der teilweise schweren Sprache und den vielen Tippfehlern ein sehr guter Ansatz. Teilweise war ich mit dem Übersetzer nicht einig und teilweise mit dem Autor welcher einen Hang zur Esoterik beweist. Alles in allem war das Buch jedoch gut und hilfreich. Ich habe diverse Fotografen gefunden deren Stile oder Ansätze ich gerne ausprobieren möchte.
Ich habe mir einige Fotografen herausgesucht deren Werk mir besonders gefällt:
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| Paris, Montparnasse by Andreas Gursky |
In der Kategorie "Räume" wurde der Deutsche
Andreas Gursky mit einem Bild aus Montparnasse, Paris vorgestellt. Das Bild zeigt den Wohnblock "Maine Montparnasse II" und misst rund 2m x 4m. Es muss sehr eindrücklich sein, vor diesem Bild zu stehen, jedes einzelne Fenster betrachten zu können und sich zu überlegen wie viele verschiedenste Schicksale sich dahinter abspielen.
Gemäss dem Buch hat Gursky dieses Bild aus zwei Aufnahmen gemacht welche er dann digital zusammengefügt hat. Daraus entstand dieses Bild.
Für mich ist einerseits die Dimension Bildes beachtenswert. Ich weiss nicht, ob es mir möglich wäre ein so grosses Bild zu erschaffen. Andererseits habe ich beim Überfliegen der Zeilen verstanden, Gurski hätte jedes Fenster einzeln fotografiert und die Bilder dann zusammengefügt. Mir gefällt diese Idee, aus hunderten "kleiner" aber hochauflösender Aufnahmen ein gigantisches Werk zu machen.
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| Dust Breeding by Man Ray |
In der Kategorie "Dinge" wurde dieses Bild "Dust Breeding" des amerikanischen Fotografen
Man Ray gedruckt. Dieses zeigt eine Glasfläche welche durch Marcel Duchamp bearbeitet worden war und die dann ein Jahr lang nicht geputzt wurde. Daraus resultieren einerseits die geraden, unnatürlichen Linien und andererseits die Staubmäuse.
Das Bild ist insofern faszinierend als dass es ein ganzes Projekt in die Produktion einschliesst. Nachdem jemand eine Glasplatte bearbeitet hatte, wurde diese bewusst nicht geputzt um ein bestimmtes Resultat zu erreichen. Sprich der Fotograf wusste bereits ein Jahr vor dem Fotografieren ungefähr was für ein Bild er würde schiessen können.
Das Bild hat mich angesprochen, weil ich mir nicht erklären konnte, was darauf dargestellt ist. Ich habe es lange betrachtet und diverse Theorien aufgestellt aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass dies eine Glasplatte mit Staub sein könnte.
Im Buch hat es ein Zitat des Künstlers:
"Wenn ich mich getraut hätte, wäre ich Dieb oder Gangster geworden; so wurde ich eben Fotograf." Man Ray
Sowohl das Zitat wie auch das Bild machen auf mich den Eindruck als wäre der Mann dahinter ein sehr kreativer Schelm welcher das Leben auf sehr kreative Art und Weise betrachtet und wiedergibt. In den kreativen Tipps des Buches wird erklärt, dass sich Man Ray an den Grenzen dessen bewegt habe, was die Kamera abbilden kann. Das ist ein Ansatz den ich unbedingt auch weiterverfolgen und ausprobieren möchte. Ich habe dazu schon einige Ideen mit Spiegeln und Wassertropfen.
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| After Van Dongen by Norman Parkinson |
Im Auftrag eines Hutdesigners machte
Norman Parkinson ein Portrait eines Modells mit Hut. Dabei stellte er jedoch den Hintergrund scharf und liess das Modell samt Hut unscharf erscheinen. Das Ergebnis ist ein Portrait welches der Fantasie des Betrachters viel Spielraum lässt. Er kann sich selbst ausmalen, wie der Hut nun aussehen könnte, welche Struktur er hat und aus was für einem Material er gefertigt ist. Einzig die grobe Form und die auffallende Farbe werden durch den Fotografen betont. Die dunkeln Haare des Modells im Kontrast zu ihrer hellen Haut betonen den Hut und die roten Lippen wiederholen dessen Farbe.
Das Bild hat mich angesprochen weil mir die Farbgebung gefallen hat und das Modell eine sehr schöne Hautfarbe hat. Das Bild wirkt faszinierend und trotz dem eigentlich einfachen Aufbau gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Der offensichtliche Regelbruch machen das Foto zusätzlich interessant. Ein unscharfes Modell so gekonnt in Szene zu setzen braucht viel Erfahrung.
Dies waren meine Top Drei Fotografen aus dem Buch. Natürlich hätte jeder andere Fotograf noch verdient, erwähnt zu werden aber dazu fehlt mir die Ausdauer und es wäre wohl auch nicht zielführend.
Das Buch an sich war spannend und zeigt viel über die Einstellungen und die Ideale grosser Fotografen. Es wiederholt sich die Aussage, durch die Kamera könne man etwas festhalten, dass sonst vergehen und vergessen würde und durch die Kamera könne man lernen die Welt ohne Kamera zu betrachten. Viele der Fotografen geben zudem an, sie würden zwar andere Personen fotografieren aber auf dem Bild würde man mehr von ihnen selbst sehen.
Die Techniken der verschieden Fotografen unterscheiden sich ebenfalls sehr stark. Während die älteren noch mit beschichteten Platten unterwegs waren und diese belichteten, sind einige heute am liebsten mit ihren Smartphones unterwegs um möglichst wenig zwischen sich und dem Motiv zu haben. Auch hier wiederholt sich relativ oft, dass man kein aussergewöhnliches Equipment braucht, um ein berühmter Fotograf zu sein. Viele verwenden zudem eine Festbrennweite um die 28mm. Ein Weitwinkelobjektiv welches mir zum Beispiel überhaupt nicht liegt da ich damit zu viel auf meine Bilder bekomme die sonst schon unruhig sind.
Nun habe ich das Buch fertig gelesen. Es gab mir viele spannende Inputs für meine eigenen Arbeiten und ich werde wohl noch einige Male etwas darin suchen, dass mir im Kopf herumschwirrt.