Donnerstag, 28. Mai 2020

Kurstag 16

Ein weiterer online Kurstag. Wieder ging ich zu Krisztina und wir bestritten den Tag gemeinsam. Sabrina hat ein Thema vorgezogen welches eher später hätte besprochen werden sollen aber da es sich gut für eignet um online abgehandelt zu werden, macht der Tausch Sinn.

Das Thema dieses Tages war die Bildanalyse. Dabei geht es darum, ein Bild in drei Schritten zu beschreiben. Bisher habe ich noch nie etwas davon gehört - ganz im Gegensatz zu meinen Klassenkameraden welche sich mit langjähriger Erfahrung brüsteten. Allerdings gibt es - so Sandra - verschiedene Methoden, ein Bild zu analysieren und meine Klassenkameraden haben wohl alle andere Modelle als das vorgestellte Semiotische Modell gelernt denn wirklich können tat es keiner.

Beim semiotischen Modell wird das Bild in drei Schritten analysiert. Der erste Schritt heisst Syntaktik. In diesem Schritt beschreibt man den Inhalt des Bildes. Das heisst es wird nur beschrieben was zweifelsfrei erkannt werden kann und was von einer Person aus einem anderen Kulturkreis gleich beschrieben werden würde. Der Einfachheit halber will ich mir angewöhnen immer vom Motiv aus zu starten. Ein eigentliches System wo man anfängt und wo man aufhört kann man sich aber fast nicht zurecht legen, da für jedes System ein Bild kommt, bei dem es nicht funktioniert.

Der zweite Schritt, die Semantik, beschreibt den formalen Aufbau des Bildes. Welches Format wurde gewählt, wie stehen die Objekte zueinander, was ist scharf, was ist unscharf und so weiter. Die Unterscheidung der ersten zwei Schritte fällt mir recht schwer obschon sie eigentlich klar wäre. Während im ersten Schritt nur beschrieben wird was da ist, wird im zweiten beschrieben wie es aufgenommen wurde. Dennoch schaffe ich es, die beiden Schritte immer wieder zu vermischen.

Der dritte Schritt, die Pragmatik, zeigt die Bedeutung der verschiedenen Elemente im Bild. Dieser Schritt war für mich der schwierigste und ich liess mich von Worten wie "Bedeutung" und "Interpretation" in die Irre führen. Anstatt nämlich das Bild weiter zu beschreiben und einen streng wissenschaftlichen Weg beizubehalten, begab ich mich in die Tiefen der Poesie und versuchte Bedeutungen von Zeichen, Ausdrücken und Farben zu beschreiben. Ein romantischer aber in diesem Moment völlig nutzloser Ansatz. Erst als ich mir nach dem Kurstag weitere Gedanken zu diesem Schritt gemacht habe, wurde mir klar, was ich zu tun habe. Ich muss beschreiben welche Elemente das Bild beeinflussen und wie sie dies tun. Eine Tomate weist nicht auf Gefahr hin, nur weil sie rot ist. Sie kann aber aus dem Bild herausstechen, den Blick des Betrachters anziehen oder auf ein Objekt lenken.

Die Bildanalyse ist ein schwieriges Thema aber ich denke mit etwas Übung sollte es machbar sein. Sie ist zudem relativ nahe an meinem Berufsalltag bei dem es häufig darum geht, objektiv aufzuschreiben was man gerade sieht oder gesehen hat. Auf die nächste Lektion hat sich die Klasse selbst die Aufgabe gegeben, eine Bildanalyse vorzubereiten und vorzustellen. So wollen wir mehr Sicherheit in diesem Thema erreichen.



Meisterklasse Fotografie - Paul Lowe


Nachdem ich bei der Landschaftsfotografie und dem Stillleben Schwierigkeiten gehabt habe, habe ich mir ein Buch gekauft welches mir die "Kreativgeheimnisse der grossen Fotografen" offenbaren sollte.

Das Buch heisst "Meisterklasse Fotografie" und wurde von Paul Lowe geschrieben. Es kommt als Paperback mit dem schwarz - weiss Bild eines jungen Mannes daher. Das Buch ist quadratisch und hat eine Seitenlänge von etwas mehr als zwanzig Centimeter.

Ich habe mir das Buch online bestellt und es wurde zu beginn der Ferien geliefert. So konnte ich es gemütlich durcharbeiten und war bis am Ende der Ferien durch. Als ich es aufschlug, lief es mir aber kalt den Rücken hinunter. Bereits bei der Einleitung von Lowe waren die ersten Bilder im Querformat abgedruckt. Da sie eine gewisse Grösse hatten, passten sie nicht auf eine Seite und so hatten sie die Mitte des Buches quer durch das Bild. Erst nachdem ich den Rücken des Buches durchgebogen hatte, konnte ich das Bild betrachten. Sollte ich jemals ein Fotobuch produzieren, wird es ein hochformatiges und der Leser muss es drehen um die querformatigen Bilder betrachten zu können. Immerhihn sieht das Buch so nach dem ersten Lesen nicht schon aus wie wenn es gefressen worden wäre.

Auf den nachfolgenden Seiten beschreibt der Autor einhundert Bilder, gibt eine kurze Biografie des jeweiligen Fotografen und einige Tipps wie man ähnliche Bilder machen könnte oder welche Vorlieben dieser Fotograf hat. Abgesehen von der teilweise schweren Sprache und den vielen Tippfehlern ein sehr guter Ansatz. Teilweise war ich mit dem Übersetzer nicht einig und teilweise mit dem Autor welcher einen Hang zur Esoterik beweist. Alles in allem war das Buch jedoch gut und hilfreich. Ich habe diverse Fotografen gefunden deren Stile oder Ansätze ich gerne ausprobieren möchte.

Ich habe mir einige Fotografen herausgesucht deren Werk mir besonders gefällt:


Paris, Montparnasse by Andreas Gursky
In der Kategorie "Räume" wurde der Deutsche Andreas Gursky mit einem Bild aus Montparnasse, Paris vorgestellt. Das Bild zeigt den Wohnblock "Maine Montparnasse II" und misst rund 2m x 4m. Es muss sehr eindrücklich sein, vor diesem Bild zu stehen, jedes einzelne Fenster betrachten zu können und sich zu überlegen wie viele verschiedenste Schicksale sich dahinter abspielen.
Gemäss dem Buch hat Gursky dieses Bild aus zwei Aufnahmen gemacht welche er dann digital zusammengefügt hat. Daraus entstand dieses Bild.
Für mich ist einerseits die Dimension Bildes beachtenswert. Ich weiss nicht, ob es mir möglich wäre ein so grosses Bild zu erschaffen. Andererseits habe ich beim Überfliegen der Zeilen verstanden, Gurski hätte jedes Fenster einzeln fotografiert und die Bilder dann zusammengefügt. Mir gefällt diese Idee, aus hunderten "kleiner" aber hochauflösender Aufnahmen ein gigantisches Werk zu machen.


Dust Breeding by Man Ray
In der Kategorie "Dinge" wurde dieses Bild "Dust Breeding" des amerikanischen Fotografen Man Ray gedruckt. Dieses zeigt eine Glasfläche welche durch Marcel Duchamp bearbeitet worden war und die dann ein Jahr lang nicht geputzt wurde. Daraus resultieren einerseits die geraden, unnatürlichen Linien und andererseits die Staubmäuse.
Das Bild ist insofern faszinierend als dass es ein ganzes Projekt in die Produktion einschliesst. Nachdem jemand eine Glasplatte bearbeitet hatte, wurde diese bewusst nicht geputzt um ein bestimmtes Resultat zu erreichen. Sprich der Fotograf wusste bereits ein Jahr vor dem Fotografieren ungefähr was für ein Bild er würde schiessen können.
Das Bild hat mich angesprochen, weil ich mir nicht erklären konnte, was darauf dargestellt ist. Ich habe es lange betrachtet und diverse Theorien aufgestellt aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass dies eine Glasplatte mit Staub sein könnte.
Im Buch hat es ein Zitat des Künstlers:
"Wenn ich mich getraut hätte, wäre ich Dieb oder Gangster geworden; so wurde ich eben Fotograf."  Man Ray
Sowohl das Zitat wie auch das Bild machen auf mich den Eindruck als wäre der Mann dahinter ein sehr kreativer Schelm welcher das Leben auf sehr kreative Art und Weise betrachtet und wiedergibt. In den kreativen Tipps des Buches wird erklärt, dass sich Man Ray an den Grenzen dessen bewegt habe, was die Kamera abbilden kann. Das ist ein Ansatz den ich unbedingt auch weiterverfolgen und ausprobieren möchte. Ich habe dazu schon einige Ideen mit Spiegeln und Wassertropfen.


After Van Dongen by Norman Parkinson

Im Auftrag eines Hutdesigners machte Norman Parkinson ein Portrait eines Modells mit Hut. Dabei stellte er jedoch den Hintergrund scharf und liess das Modell samt Hut unscharf erscheinen. Das Ergebnis ist ein Portrait welches der Fantasie des Betrachters viel Spielraum lässt. Er kann sich selbst ausmalen, wie der Hut nun aussehen könnte, welche Struktur er hat und aus was für einem Material er gefertigt ist. Einzig die grobe Form und die auffallende Farbe werden durch den Fotografen betont. Die dunkeln Haare des Modells im Kontrast zu ihrer hellen Haut betonen den Hut und die roten Lippen wiederholen dessen Farbe.
Das Bild hat mich angesprochen weil mir die Farbgebung gefallen hat und das Modell eine sehr schöne Hautfarbe hat. Das Bild wirkt faszinierend und trotz dem eigentlich einfachen Aufbau gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Der offensichtliche Regelbruch machen das Foto zusätzlich interessant. Ein unscharfes Modell so gekonnt in Szene zu setzen braucht viel Erfahrung.


Dies waren meine Top Drei Fotografen aus dem Buch. Natürlich hätte jeder andere Fotograf noch verdient, erwähnt zu werden aber dazu fehlt mir die Ausdauer und es wäre wohl auch nicht zielführend.
Das Buch an sich war spannend und zeigt viel über die Einstellungen und die Ideale grosser Fotografen. Es wiederholt sich die Aussage, durch die Kamera könne man etwas festhalten, dass sonst vergehen und vergessen würde und durch die Kamera könne man lernen die Welt ohne Kamera zu betrachten. Viele der Fotografen geben zudem an, sie würden zwar andere Personen fotografieren aber auf dem Bild würde man mehr von ihnen selbst sehen.

Die Techniken der verschieden Fotografen unterscheiden sich ebenfalls sehr stark. Während die älteren noch mit beschichteten Platten unterwegs waren und diese belichteten, sind einige heute am liebsten mit ihren Smartphones unterwegs um möglichst wenig zwischen sich und dem Motiv zu haben. Auch hier wiederholt sich relativ oft, dass man kein aussergewöhnliches Equipment braucht, um ein berühmter Fotograf zu sein. Viele verwenden zudem eine Festbrennweite um die 28mm. Ein Weitwinkelobjektiv welches mir zum Beispiel überhaupt nicht liegt da ich damit zu viel auf meine Bilder bekomme die sonst schon unruhig sind.

Nun habe ich das Buch fertig gelesen. Es gab mir viele spannende Inputs für meine eigenen Arbeiten und ich werde wohl noch einige Male etwas darin suchen, dass mir im Kopf herumschwirrt.

Freitag, 15. Mai 2020

Kurstag 15

Das neue Modul begann mit einer coronakonformen Lektion. Jedenfalls fast denn Krisztina und ich bestritten sie im Team. Wir waren in ihrer Wohnung und hatten die Lektion via App aufgeschaltet. So konnten wir live zuhören was erzählt wurde und dann gemeinsam die Aufgaben machen.


Das Thema dieser Lektion war Stillleben. Dabei wird das gesamte Bild komplett aufgebaut. Dies ermöglicht dem talentierten Fotografen grösste Freiheit und Möglichkeit zur Finesse. Dem untalentierten Fotografen gibt es mehr Möglichkeiten das Bild zu versauen.


Unser Studio
Krisztina und ich ergänzten uns sehr gut. Ich hatte kein Stativ, sie hatte keine Lampe. Wir nahmen ein paar alte Bücher aus ihrem Regal welche alle einen dunkeln Einband hatten und ungefähr ähnlich gross waren. Dadurch sollten sie zusammen funktionieren. Als Hauptmotiv nahmen wir einen Rosenkranz welcher sich mit seinen braunen Perlen und dem Kruzifix von den Büchern abhob. Wir probierten diverse Konzepte aus welche sich in Anordnung und Kameraeinstellungen unterschieden. Krisztina gefiel eine turmförmige Anordnung der Bücher mit zufällig darübergelegtem Rosenkranz während die Bücher in meinem Bild standen und das Kruzifix in der Mitte hing.
Wir besprachen unsere Ergebnisse erst in einer Kleingruppe und dann in der Klasse. Da ich meinen Computer nicht bei mir hatte, wollte nichts so richtig funktionieren und ich konnte mein Bild nicht darstellen. Bei der nächsten Onlineklasse werde ich meinen Computer mitnehmen über den wir dann auch die Speicherkarten direkt auslesen können.



Krisztinas Anordnung
Nach der Besprechung der Bilder fotografierten wir unsere Stillleben nocheinmal. Nun aber mit dem Einsatz von verschiedenen Lichtquellen und Lichtrichtungen. Dann wählten wir jeweils das Beste und ein schlechteres aus und präsentierten es erneut der Klasse. Dabei kam es zu einem für mich schönen Moment als ich erst mein schlechtes Bild der Klasse zeigte und Sabrina sagte, dass man manchmal erst ein schlechtes Bild sehen müsse um zu verstehen wie viel Arbeit im guten steckt.



Nachdem wir bereits Landschaftsfotografie mit Sabrina gehabt hatten, kam sie nun noch mit Stillleben. Beides sind Techniken die ich gerne beherrschen würde, die mir aber sehr schwer fallen. Es scheint als fehle mir noch immer das Auge für ein Bild welches eine Wirkung auf den Betrachter hat. Allerdings habe ich mir vorgenommen diese beiden Techniken in Zukunft öfter zu machen. Angeblich macht Übung ja den Meister.





Tageslicht und Taschenlampe
Tageslicht und Blitz