Architektur, Theorie
Entgegen der Gewohnheit mussten wir an diesem Kurstag keine Bilder zur Besprechung mitnehmen. Wie mit allem was ungewohnt ist, war ich auch mit dieser Tatsache völlig überfordert.
Kaum hatten wir uns, eine Person pro Pult mit Hygienemaske und all den Sicherheitsvorschriften, hingesetzt, ging es unvermittelt mit knallharter Theorie los.
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| Copyright by Sabrina Stäubli |
Sabrina zeigte uns Bilder aus ihrem eigenen Fundus und erklärte uns die Schönheiten und Schwierigkeiten von Architekturfotografie.
So wie es Sabrina erklärte, schien es ganz simpel zu sein. Senkrechte müssen senkrecht und parallel sein, Waagerechte entweder waagrecht und parallel oder mit einem signifikanten Winkel damit sie nicht schlampig wirken. Zudem müssen Grössenverhältnisse in etwa korrekt wiedergegeben werden und die fotografischen Kriterien wie Licht, Tiefenschärfe und virtueller Rahmen müssen stimmen. Alles kein Problem, das hatten wir schon oft.
Nach knapp zwei Stunden Theorie packten wir unsere Kameras und unsere Stative und begaben uns nach draussen. Gerade neben dem Bahnhof steht ein freistehendes, mehrstöckiges Büro-, Wohn- und Verkaufsgebäude. Dieses sollten wir nun nach den vorgenannten Regeln ablichten. Da alle andern sofort ihre Stative aufbauten, ging ich auf die andere Seite wo ich meine Ruhe hatte. Dort baute ich mein Stativ auf und schaute einmal durch den Sucher. Natürlich war ich viel zu nahe am Gebäude und es gingen nur die ersten Beiden Stockwerke aufs Bild. Ich verschob mein Stativ so weit zurück wie es nur ging und blickte wieder durch den Sucher. Die Situation war minim besser. Nun musste ich halt meine Kamera nach oben richten, um überhaupt die ganze Höhe des Gebäudes auf das Bild zu bekommen. Da ich das Gebäude über eine Ecke aufnehmen wollte, waren die waagrechten Linien von Anfang an nicht waagrecht gewesen. Durch das Neigen der Kamera liefen nun aber auch die Horizontalen zusammen und nichts an meinem Foto war mehr gerade. Zudem kam die Sonne steil von Links wodurch der Himmel ausbrannte. Ich machte zur Übung einige Aufnahmen und wollte dann eine Frontalaufnahme machen. Dazu wanderte ich mit meinem Stativ einige Schritte weiter und schaute wieder durch den Sucher. Wegen der Neigung der Kamera hatte ich zwar alle Stockwerke im Bild aber die unteren beiden Ecken waren abgeschnitten. Weiter zurück konnte ich nicht und eine kleinere Brennweite liess mein Objektiv nicht zu und so kamen die Ecken halt nicht aufs Bild. Wieder einige Schritte weiter hatte ich die Sonne voll im Bild und musste eine Brücke über mir anschneiden und noch einige Schritte weiter brachte ich nur noch Fassase aufs Bild. Erst als ich im nächsten Strassenzug war, konnte ich weit genug zurück um die volle Höhe des Gebäudes aufs Bild zu bekommen aber nun kam mir der Bahnhof ins Bild und verdeckte einen Grossteil der Breite meines Motivs. Nach rund fünfundvierzig Minuten hatte ich kein einziges Bild welches den ach so einfachen Regeln der Architekturfotografie entsprach und war ein kleines bisschen frustriert.
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| #Nobodylikesarchitecture |
Sabrina erklärte uns dann, dass es pro Gebäude gerade mal einen, maximal zwei Standorte gab von dem aus man ein gutes Foto machen könne.
Nach dem Mittagessen hatten wir dann ein kleines Programm welches wir abarbeiteten. Da wir dazu kein ganzes Gebäude mehr auf ein Bild bekommen mussten, ging die Arbeit etwas leichter von der Hand aber das ständige kontrollieren und korrigieren der Winkel und Linien empfand ich als sehr anstrengend.
Als wir unser Programm durch hatten, gingen wir wieder ins Klassenzimmer und jeder durfte ein Bild zeigen welches wir dann besprachen. Mein Bild war das einer Betontreppe welches von meinen Klassenkameraden hoch gelobt wurde. Davon zehre ich jetzt bis zum Ende des Aufbaumoduls.
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| Die leichte Betontreppe |








