Soviel zu "Das Werktagebuch ist hiermit beendet." Eigentlich geht es jetzt erst richtig los denn in diesem März habe ich wahrscheinlich so viele Probleme beim Fotografieren gehabt wie in den letzten zwei Jahren nicht.
Anfangs März war ich ja in dieser Liegenschaft und habe fleissig herumgeblitzt. Letzte Woche habe ich dann Bilder bearbeitet und letzten Samstag war der Kurstag im März. Bis dahin hatte ich nur zwei Bilder fertig und deswegen verzichtete ich auf das Gespräch mit Sabrina, da von mir aus gesehen die ganze Serie fertig sein sollte, damit sie anständig besprochen werden kann.
Bei Gesprächen mit meinen Klassenkameraden am Kurstag selber habe ich dann gehört, dass einige noch kein einziges oder erst ein Bild gemacht haben. Da hätte ich mich schon in den Hintern beissen können, dass ich auf das Gespräch verzichtet habe aber ich war dann auch wieder zu stolz, Sabrina nachträglich doch noch um ein Gespräch zu beten. Nun muss ich halt bis im April warten um meine Bilder besprechen zu können, dann habe ich dafür weniger Zeit bis zum Abgabetermin.
An diesem Kurstag gab es zwei Themenblöcke. In der Theorie am Morgen stellte uns Sabrina einige ihrer Konzepte mit der Bitte vor, ihr die Kunden nicht abzuwerben. Dabei ging es um Wein in Kartons und Mitarbeiterportraits. Wir besprachen die Konzepte, kreierten eigene Ideen und besprachen sie mit Sabrina. Die Konzepte waren für mich relativ weit von dem, was ich in meiner Diplomarbeit am machen bin, entfernt. Meine Diplomarbeit hat aber auch keinen zahlenden Kunden der mit diesen Bildern dann Werbung macht. Dadurch habe ich deutlich mehr Freiheiten in der Gestaltung und der Motivwahl, kann mich aber bei einer Arbeit immer noch nicht festlegen, was ich eigentlich machen will.
Am Nachmittag ging es dann um Licht. Dieses Mal durften wir eine Bohrmaschine in Szene setzen und wir waren zu dritt über mehrere Stunden beschäftigt mit Blitzlichtern positionieren, Reflektoren hinhalten und wieder wegnehmen und Lichtverhältnissen ermitteln bis wir dann ein Bild hatten das wir der Klasse zeigten.
Bei dieser Arbeit wurde mir auch bewusst, warum ich anfangs des Monats zum Teil Probleme mit meinen Systemblitzen hatte. Wenn der Unterschied zwischen den einzelnen Lichtquellen zu gross ist, kann es sein, dass ein Licht auf dem Bild gar nicht mehr sichtbar ist, obwohl der Blitz ausgelöst hat. Das kann an den Einstellungen aber auch am Ladezustand der Batterien liegen. Bei mir war das vor allem beim Systemblitz von Metz das Problem da dieser die Batterien förmlich gefressen hat und dann plötzlich massiv an Leistung verlor. Bei der Arbeit am Kurstag verwendeten wir Studioblitze mit 250 und 500 Watt sowie zwei Tageslichtlampen mit je 150 Watt. Die beiden Tageslichtlampen hätten wir wahrscheinlich auch einfach weglassen können. Den Effekt den wir durch sie erzielten war minim.
Nach dem Kurstag startete ich meine zweite "Woche" Ferien. In dieser Zeit kam meine Partnerin mit einem Foto-Auftrag zu mir: Ich sollte Bilder von der schwarzen Katze machen, die seit rund zwei Monaten bei uns wohnt, damit die Katzenrettungsorganisation für welche wir sie aufgenommen haben, eine definitive Familie finden kann. Die Katze war inzwischen zutraulich genug, um fotografiert zu werden und hatte keine Scheu vor der Kamera. Umgekehrt schien das aber ganz anders. Der Autofokus fand im Fell der Katze nicht genug Kontrast zum scharfstellen, der Belichtungsmesser wollte das Bild so hell, dass die Katze fast grau wurde und das Umgebungslicht im Esszimmer unter dem Esstisch war so schlecht, dass ich fast hätte Langzeitbelichtungen machen müssen.
Schlussendlich legte ich den Autofokus auf die Augen oder einen kleinen, braunen Fleck im Gesicht der Katze, stellte Blende und Zeit manuell ein und jagte die ISO-Werte in Dimensionen welche ich sonst gerne meide.
Bei der Nachbearbeitung der Bilder verminderte ich den Kontrast und je nach Bild entweder die Schatten oder die Spitzlichter wodurch die Details des Felles schnell sichtbar wurden. Bei einigen Bildern entstand ein Grauschleier auf den Bildern was jeweils bedeutete, dass ich mit der Nachbearbeitung etwas übermütig gewesen war. Bei diversen Bildern musste ich auch den Weissabgleich korrigieren da die Wand im Hintergrund blau oder gelb geworden war.
Lustiges Detail: Die Bilder die ich als Werbebilder ausgewählt hatte, wurden von meiner Freundin allesamt abgelehnt. Sie wiederum wählte Bilder die ich nie verwendet hätte. Aber die Kundin ist ja Königin.
Am letzten Ferientag gingen meine Partnerin und ich noch ins Kunstmuseum. Dort habe ich über Lichtrichtung und Lichtqualität auf Kupferstichen von Rembrandt philosophiert und mir Werke von Alexej von Jawlensky angesehen.
Wenn ich einmal viel Zeit und Energie übrig habe, möchte ich ein Portrait fotografieren welches ähnlich surreal aussehen soll, wie seine Bilder.
![]() |
| "Mädchenkopf" von Alexej van Jawlensky |










