Das erste Wochenende im November verbrachten meine Freundin und ich in Warschau. Ein Städtetrip zu Gunsten der Beziehung und damit sie von meinen Erfahrungen in der Fotografie profitieren konnte. Schliesslich hat sie mich das Kursgeld nur unter dieser Bedingung abheben lassen.
Wir reisten mit dem Flieger direkt von Basel nach Warschau und dort in eine kleine Wohnung. In unserem Gepäck hatten wir unsere gesamte Ausrüstung. Die Kamera und die beiden Objektive. Kurz vor der Abreise hatten wir noch diskutiert ob wir uns ein Stativ kaufen sollten aber dieses dann überall mitzuschleppen war uns zuwider und so liessen wir es sein.
Am ersten Tag schliefen wir aus und besuchten das
Museum des Warschauer Aufstandes. Ein spannendes Museum mit vielen Ausstellungsstücken aus der Zeit des Warschauer Widerstandes gegen die Herrschaft von Nazi-Deutschland. Im Museum war es dunkel. Die Wände waren in schwarz gehalten oder imitierten Ruinen von Backsteinwänden. In den grossen Hallen hatte man zusätzliche Wände gestellt wodurch die Besucher sich durch enge Gassen schoben. Da das Museum gut besucht war unterliessen wir es, dort Fotos zu machen. Sicher hätte es das ein oder andere Motiv gegeben aber die Platzverhältnisse liessen es nicht zu, dass man sich da lange vor einem Objekt aufhielt und niemanden passieren liess.
Am Abend, etwa gegen 1700 Uhr verliessen wir das Museum und standen in der Dunkelheit. Die Sonne war bereits um 1600 Uhr untergegangen was uns in dieser Zeit des Jahres eigentlich hätte bewusst sein müssen. Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel machten wir deshalb auch keine Fotos.
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| Warschau bei Nacht mit Gitterstäben |
Das nächste Ziel war der
Kulturpalast nahe dem Zentralbahnhof. Dieser war ein Geschenk
Stalins der Arbeiter der Sowjetunion an die polnischen Genossen und im Stil des Sowjetischen Klassizismus erbaut worden. Nach der Entrichtung eines kleinen Entgelts gelangt man mit dem Lift in den dreissigsten Stock dieses Palasts. Von dort hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Hochhäuser. Von dieser Plattform aus machten wir einige Nachtaufnahmen. Damit die Aufnahmen bei zwei bis zehn Sekunden Belichtungszeit nicht verwackelten, legte ich die Kamera auf das breite Geländer. Dabei musste ich sie so ausrichten, dass die Gitterstäbe welche übermütige Besucher vom Klettern abhielten nicht mitten im Bild waren. Das Problem dabei war, dass die Kamera nun geradeaus zeigte und dadurch sehr viel Himmel auf den Bildern war. Zudem blendeten grosse Leuchtreklamen. Als meine Freundin nach einigen Minuten kam und mir ihr Natelfoto unter die Nase hielt welches meine Aufnahmen nicht nur qualitativ sondern auch gestalterisch bei weitem übertraf hätte ich die Kamera am liebsten dreissig Stockwerke hinunter geworfen.
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| Warschau bei Nacht vom Smartphone |
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| Seejungfrau vor hellem Himmel |
Am nächsten Tag nahmen wir die Metro und begaben uns an die Weichsel. Dort fanden wir bereits unser erstes Motiv, eine der drei
Seejungfrauen von Warschau. Das Problem hier war jenes, welches wir gerade am letzten Kurstag besprochen hatten. Der Himmel war ein diffuses, grelles Weiss während die Skulptur schräg von der Seite belichtet wurde. Dadurch wirkt das Gesicht der Statue zu dunkel und der Himmel reinweiss. Um diesem Effekt entgegen zu wirken hätten wir entweder später zurück kommen und den neuen Sonnenstand ausprobieren müssen oder die Sirene von hinten fotografieren. Von beidem haben wir abgesehen. Stattdessen haben wir nun halt nur mässig schöne Fotos, dafür konnten wir die Zeit anderweitig nutzen und haben keine grünen Hinterteile in unserer Sammlung.
Das Problem mit dem Sonnenlicht zog sich dann auch den Rest des Tages hin. Dies scheint auf Reisen ein grösseres Problem zu sein. Gerade dann, wenn man nebst dem Fotografieren auch noch die Stadt sehen will.
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| Palast vor hellem Himmel |
In der Altstadt versuchten wir noch einige Gebäude zu fotografieren. Hier war einerseits das Licht weiterhin ein Problem andererseits aber auch die stark fliehenden Linien auf den Bildern da wir alles aus der Froschperspektive aufnahmen. Anders ist dies in den engen Gassen vom Boden aus fast nicht machbar. Eine interessante alternative wäre eine Drohne mit Weitwinkelobjektiv welche eine ganz neue Perspektive erlauben würde da man sich auf die mittlere Höhe des Gebäudes begeben und von dort geradeaus fotografieren könnte. Dies bleibt ein andermal zu testen.
Am Nachmittag begann es heftig zu regnen so dass ich die alte Dame (Kamera) nicht aus der Tasche nehmen wollte.
Am Folgetag machte ich noch einige Aufnahme vom Kulturpalast und dann mussten wir schon wieder in den Flieger steigen und nach Hause reisen.
Alles in allem hatten wir eine schöne Zeit in Warschau und viel gelernt über die Fotografie.
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| Kulturpalast - schief aufgenommen |
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