Dienstag, 8. September 2020

Reisefotografie Sardinien

Seit meinem letzten Beitrag über die Reisefotografie ist viel Wasser den Rhein hinab. Wir hatten die Epidemie welche meiner Freundin und mir die Philipinien-Ferien gestrichen hat, im Kurs studierten wir die Landschaftsfotografie und ich kaufte mir einen Polarisationsfilter.

Nun war es wieder an der Zeit, wie jedes Jahr, die Familie meiner Partnerin auf Sardinien zu besuchen. Dazu nahm ich die Kamera mit und wir machten einige Tagesausflüge bei denen ich fleissig fotografierte und versuchte das gelernte umzusetzen. Bei einer Bootstour machte ich zudem einige Bilder mit dem Mobiltelefon welches ich bisher vermieden habe. Schliesslich werden gute Fotos nur mit einem richtigen Fotoapparat gemacht.

Sardinien im Sommer ist heiss. Es gibt viel Licht und die Landschaft ist, gerade im Süden, recht karg. Viele Orte sind von Touristen überlaufen während andere völlig menschenleer sind.

An einem Tag haben wir eine Bootsfahrt mit einem Schlauchboot gemacht. Dieses fuhr diverse Sehenswürdigkeiten wie Häfen, Höhlen und Naturphänomene an, bei denen wir vom Boot aus einige Fotos machen konnten. Während der Fahrt gab es zwei Zwischenstopps mit Bademöglichkeit.

Da wir wussten, dass wir im Schlauchboot unterwegs sein würden, nahm ich nur das Mobiltelefon mit. Sollte mir dieses ins Wasser fallen, wäre der Schaden viel geringer als mit der Kamera. Zudem glaube ich, dass das Telefon einen Schluck Wasser besser wegsteckt.

Mit dem Telefon ist der Umgang eigentlich relativ einfach - solange man trockene Finger hat. Nasse Finger werden vom Touchscreen zum Teil nicht oder fehlerhaft erkannt und erschweren die Bedienung ungemein. Was ich bisher nicht wusste war, dass mein Telefon über die Funktion "Weitwinkel" verfügt.

Während der Bootstour konnte ich mich nicht frei bewegen und musste so die Bildausschnitte wählen, die mir vorgegeben wurden. Allerdings versuchte unser Kapitän viel um uns eine gute Sicht auf die Sehenswürdigkeiten zu ermöglichen. Er macht diese Tour etwa drei Mal am Tag und weiss anhand der Wünsche der Touristen etwa wo er hinfahren und wie lange er jeweils warten muss.

Da wir uns gerade in der Gegend befanden, besuchten wir noch ein stillgelegtes Bergwerk. Die Minen waren der Öffentlichkeit nicht zugänglich und um die Häuser waren Zäune aufgestellt aber man konnte sie trotzdem gut sehen und einige Bilder aufnehmen. Hier nahm ich selbstverständlich die Kamera und verwendete den Polarisationsfilter, wenn auch etwas zweckentfremdet.

Das Bergwerk verfügt über eine Strasse welche sich durch die Häuser zieht und sich am Ende verzweigt. Auf dieser Strasse kann man gehen und die Ruinen betrachten. Links und rechts, jeweils etwa zwei Meter von den Gebäuden weg, stehen Zäune welche verhindern, dass man von fallenden Gegenständen erschlagen wurde und die Gebäude zu betreten versuchte.

Aufgrund dieser Situation arbeitete ich relativ viel mit dem Zoom und versuchte die Zäune abzuschneiden, steckte mein Objektiv zwischen Gittern hindurch, hielt die Kamera durch eingeschlagene (nicht von mir) Glasscheiben und drückte blind ab, versuchte die Absperrungen so weit unscharf zu machen, bis sie fast nicht mehr sichtbar waren oder bezog sie in die Bildgestaltung mit ein.

Da wir nur an diesem Tag in dieser Gegend waren und zuhause die Familie mit dem Abendessen auf uns wartete, mussten die Fotos genau dann und genau um diese Uhrzeit gemacht werden. Die Sonne schien fast gerade von oben herab und das gleissende Sonnenlicht erlaubte nur sehr wenig Himmel der sehr schnell ausbrannte. Der Polarisationsfilter sollte mir hier das Licht so gut als möglich ordnen um wenigstens etwas blauen Himmel zu bekommen und die Reflektionen auf den verschiedenen Oberflächen gering zu halten. Dies gelang relativ gut. Der Helligkeitsunterschied zwischen den Gebäuden und dem Himmel war aber dennoch oft zu gross für die Kamera.


An einem weiteren Tag führte uns eine Freundin meiner Partnerin an weniger bekannte Orte auf einer kleinen Insel. Dort besuchten wir keine Strände sondern Kliffs mit Meerzugang. Das Gestein war sehr spröde und hatte viele kleine Löcher was aussah wie wenn ein Netz auf einem Stein liegen würde. Bei unserem ersten Stopp nahm ich wieder nur das Mobiltelefon mit was sich als grosser Fehler erwies, da man dort ganz ausgezeichnet hätte fotografieren können. Bei unserem zweiten Stopp nahm ich dann die Kamera mit, was ich mir hätte sparen können da der Ort völlig überlaufen war von Gästen in Badekleidern welche ich dann nicht ohne deren Einwilligung fotografieren wollte.

Wie schon erwähnt war ich hier mit der Wahl meiner Mittel nicht zufrieden. Natürlich habe ich das vorher nicht gewusst und wollte nur meine Kamera schützen indem ich sie im Auto liess aber es hätte sich gelohnt sie hier etwas zu exponieren. Ich nehme halt trotzdem ganz andere Bilder auf mit der Kamera als mit dem Telefon.

Da der Ausflug den ganzen Tag über dauerte, ist das Licht auf den Bildern entsprechend verschieden. Die ausgewählten Bilder sind alle vom Nachmittag und wurden in drei verschiedene Himmelsrichtungen aufgenommen. Auch hier habe ich den Polarisationsfilter verwendet um den Himmel blau zu bekommen und die Spiegelungen des Wassers zu mindern.

Am letzten Tag meines Aufenthaltes war das Wetter bewölkt und windig. Am Morgen hatte es geregnet wodurch das Meer aufgewühlt war und es bedurfte einiges an Willen um überhaupt aus dem Haus zu kommen. Wir besuchten dann einen Stadtpark mit freilaufenden Tieren.

Der Ausflug fand am späteren Nachmittag statt, der Himmel war bedeckt und die Tiere waren sehr zutraulich. Ich hatte meine Kamera dabei und versuchte jedes Tier zu fotografieren, welches wir sahen. Da ich am nächsten Tag abreisen musste und das Wetter etwas trist war, war ich an diesem Tag etwas müde und melancholisch. Ich habe den Eindruck, dass man dies in den Bildern sieht. Diese sind nüchterner und stützen sich mehr auf geometrische Formen.


Nachdem ich aus Sardinien zurück war, hatte ich noch einige Tage Überzeit welche ich abbauen durfte. So konnte ich mit Krisztina einen Foto-Ausflug auf das Jungfraujoch machen. Wir mieteten uns ein Auto und reisten über die Autobahn nach Lauterbrunnen wo wir die Zahnradbahn auf den Berg nahmen. Das Wetter unten war regnerisch. Die Zahnradbahn zog uns durch die dicken Wolken nach oben bis knapp darüber aufs Jungfraujoch. Dort mussten wir jeweils waren, bis eine Wolke oder ein Nebelschleier vorbeigezogen war um ein gutes Bild machen zu können. Anfänglich wollte ich die Beleuchtungskorrektur verstellen. Da wir aber ausreichend Kontrast in den Bildern hatten, kam die Kamera mit dem vielen Schnee gut zurecht und so stellte ich sie wieder auf Null.

Im Eispalast waren Eisskulpturen ausgestellt und schwach beleuchtet. Wir versuchten diese zu fotografieren was sich aber als schwierig herausstellte da der Kontrast dort zum Teil zu gering für den Autofokus war und sich die klaren Figuren nur schwer vom Hintergrund abheben liessen. Als sich gerade niemand in unserer Nähe befand habe ich mir erlaubt mit Blitz zu arbeiten und kam zu überraschend guten Ergebnissen - kann aber nicht genau sagen, warum.




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