Montag, 8. März 2021

Operation "Barry Allen"

Barry Allen ist ein Mann mit einem roten Kostüm auf dem ein gelber Blitz aufgedruckt ist. Er ist besser bekannt als "The Flash". Soviel zur Namensgebung dieser Operation.

 

Im Zuge der Diplomarbeit erhielt ich die Gelegenheit, in ein leerstehendes Haus zu gehen und dort Fotos zu machen. Erwartet hatte ich eine baufällige Barracke, vorgefunden habe ich eine charmante Villa mit vielen verschiedenen Elementen. Der Keller war in kleinere Zimmer unterteilt in welchen zum Teil roter Spannteppich verlegt worden war. Das Erdgeschoss bestand aus grossen Sälen mit grossen Fenstern und einer offenen Küche. Im ersten Obergeschoss waren die Zimmer lichtdurchflutet und in einem eher älteren Stil gehalten während im zweiten Obergeschoss eine komplette und sehr moderne Wohnung aufgebaut worden war.

Für meine fünf Blitzbilder durfte ich für ein langes Wochenende den Schlüssel zur Liegenschaft haben.



Am ersten Tag brachte ich meine ganze Ausrüstung in die Liegenschaft und versuchte, die schönsten Elemente im Erdgeschoss einzufangen. Dabei setzte ich den Fokus auf verschiedene Elemente der Wohnung wie Türen, den Ofen und der Treppe. Da ich mit der 50mm Festbrennweite arbeiten wollte, war der Ausschnitt auf den Bildern immer sehr eng und für Übersichtsaufnahmen musste ich jeweils eine grosse Distanz zum Motiv einnehmen. Notiz an mich selbst: Für Innenarchitektur höchstens eine Brennweite von 30mm oder weniger verwenden.

Als ich das Erdgeschoss aus verschiedensten Winkeln aufgenommen hatte, ging ich in den ersten Stock. Der Nachmittag war bereits weit fortgeschritten und so war es trotz der grossen Fenster schon wieder möglich, mit Blitz zu arbeiten. Allerdings waren meine Batterien und die  der Blitze langsam am Ende und so packte ich meine Kamera ein und ging nach Hause.

 

 

Am zweiten Tag war ich bereits am Vormittag da. Die Sonne stand noch relativ flach und tauchte die Räume in goldenes Licht, war jedoch so hell, dass meine Blitze völlig machtlos waren und so ging ich in den Keller. Dort arbeitete ich mit verschiedenen Farbfolien auf den Blitzen. Meine Idee war, einen Raum in einer Farbe erstrahlen zu lassen während man in einen zweiten Raum sieht welcher in einer anderen Farbe leuchtet. Ich versuchte verschiedenste Varianten, Winkel und Räume aber der Erfolg blieb immer nur mässig. Am Ende stellte ich mich selbst vor die Kamera und löste via Mobiltelefon aus. Dabei war ein Blitz auf der Kamera montiert und blitzte mich mit orangem Licht an, während ein zweiter Blitz hinter mir am Boden stand und den Raum blau ausleuchtete. Diese Bilder wurden überraschend gut und lagen auch voll in der Stärke der Festbrennweite. Die Arbeit mit starken Blitzen bei wenig Licht frass meine vier Batterien Sets regelrecht auf und so ging ich bereits nach kurzer Zeit wieder nach Hause.

Am dritten Tag packte ich meine Freundin ins Handgepäck. Motiviert von den Ergebnissen des Vortags wollte ich mich nun mehr auf Portraits respektive Bilder mit einer Person konzentrieren anstatt auf Details des Hauses. Auch am dritten Tag stand die Sonne am Himmel und tauchte die Räume in helles Licht und so schlossen wir die Fensterläden und machten die Säle im Erdgeschoss dunkel. Emsig stellten wir Stative und Blitze in die Räume und experimentierten mit Winkeln, Helligkeit und Posen. Die Schwierigkeit war nun folgende: Sobald sich das Modell etwas bewegt, den Kopf anders schräg legt oder schon nur das Gewicht auf den anderen Fuss verlagert, hat der Fotograf ein neues Bild auf das der Aufbau mit Blitz und Kamera nicht mehr passt. Folglich kann man entweder das Modell anweisen, sich wieder anders hinzustellen oder man baut die ganze Einrichtung um. Wir hatten diverse Settings welche nicht oder nicht so funktionierten, wie wir uns das vorgestellt hatten während andere überraschend gut gelangen. Auch hier wurden vorwiegend Portraits gemacht, da das Modell bei Ganzkörperbildern schnell klein und nebensächlich wirkte. Ein Fehler meinerseits sicher auch, dass ich immer noch möglichst viel vom Haus auf den Bildern wollte.

 

Gearbeitet habe ich während der ganzen Zeit mit meiner Nikon D750, zwei Stativen wobei eines für die Kamera und eines bei Bedarf für einen Blitz gedacht war, zwei Systemblitzen mit je einem Standfuss, verschiedenen Farbfolien und einem Pol-Filter um den Glanz von Fenstern und Plättchen zu mindern. Manchmal hätte ich mir ein anderes Objektiv oder mehr Blitze gewünscht, aber mit diesem Material konnte ich schon relativ viel machen. Heute habe ich rund vierhundert Bilder für den Leistungsnachweis 2. Das ist für drei Tage eigentlich sehr wenig aber die ganzen Einstellungen und das Positionieren von Kamera und Blitz nahmen sehr viel Zeit in Anspruch.

Abschliessend war die Operation "Barry Allen" ein Erfolg. Nun muss ich den Schlüssel zur Villa wieder abgeben und mich aufs Auswählen und Nachbearbeiten der Bilder konzentrieren.

 

 


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